Energie

Das Wasser spielte für die Verarbeitung von Seidenrohstoffen in Gersau schon immer eine zentrale Rolle als Transportweg und Energielieferant. Schon früh wurde erkannt, dass die beiden Dorfbäche in Gersau sehr gute und zuverlässige Energiequellen sind. Diese Möglichkeit der Nutzung der Wasserkraft war ein weiterer Grund, warum Josef Augustin Reding seine seidenverarbeitende Industrie in Gersau und nicht in Schwyz ansiedelte. Dank dieser Wasserkraft wurde die Mechanisierung der Seidenindustrie schnell vorangetrieben. In den drei Seidenfabriken wurde die Wasserkraft des Dorfbaches zum ersten mal direkt mit Hilfe eines Transmissionsriemenantriebes für die Produktion genutzt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in der „Bläui“ Fabrik die erste Hochdruck-Wasserturbine mit Generator installiert, die bis in die 40’er Jahre Drehstrom für die Maschinen lieferte. 1941 entschied Walter Camenzind Senior (†1965) den gestiegenen Energiebedarf mit einer neuen modernen Hochdruck-Peltonturbine von Bell (Luzern) und einem Synchronmotor von BBC (Zürich) zu decken. Diese Maschine liefert bis heute kostengünstigen Drehstrom für die Seidenspinnerei. Insgesamt wird schon über 100 Jahre Wasser aus dem Bach für die saubere Energiegewinnung genutzt (erneuerbare Energie).

Nach über 60 Jahren Laufzeit unseres alten Wasserkraftwerks haben wir im März 2010 unsere neue Kraftwerksanlage in Betrieb genommen. Durch die Erneuerung der Turbine, des Generators, der Elektrik und der Druckleitung erreichen wir eine Effizienzsteigerung von 25% gegenüber dem alten Kraftwerk von 1944. Wir werden durch die neue Anlage einen Grossteil unsers gesamten Stromverbrauchs der Spinnerei produzieren und so ca. 100 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

Turbine

Die neue Turbine ist eine vertikale, dreidüssige Peltonturbine des Herstellers Wasserkraft Volk AG aus Deutschland. Die Leistung der Anlage liegt bei einer Nettofallhöhe von 132m und einer maximalen Wassermenge bei 283kW. Damit können wir ca. 900'000kWh elektrische Energie pro Jahr erzeugen. Diese Energie reicht um etwa 170 Schweizer Haushalte für ein Jahr mit Strom zu versorgen.

Druckleitung

Die ganze Druckleitung wurde 2009 neu verlegt. Der Grund dafür war der grosse Druckverlust (1.5 bar) der alten Druckleitung (Innendurchmesser 300mm) bei Volllast. Die neue Druckleitung hat einen Innendurchmesser von 400mm und überwindet über eine Länge von 530m eine Nettofallhöhe von 132m (13.2bar, 191.4psi). 

Wasserfassung

Das Wasser für die Energieerzeugung entnimmt man aus dem Täufibach (Wildbach) auf 610müM. Das Wasser fliesst über ein modernes Tirolerwehr um das Wasser von Schwemmaterial und Steinen zu trennen. Damit nicht alles Wasser aus dem Bach entnommen wird, fliesst durch eine kleine Schleuse immer Wasser in den natürlichen Bachverlauf zurück. Somit ist gewährleistet, dass die Wassertiere im Bach auch bei trockenen Wetter immer genügend Wasser zum leben haben.